Kritik An Der Rollentheorie Von Ralf Dahrendorf Uebung Eroer

Muss ich tun, was andere wollen? Kritik an der Rollentheorie von Ralf Dahrendorf

M1 Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet
Ein Einwand geht dahin, dass Dahrendorf mit seiner Grundannahme, dass Rollenhandeln stets mit Zwang und Unterdrückung der individuellen Persönlichkeit verbunden sei, sozusagen eine „überradikale“ Position einnimmt. […] Denn wenn alle sozialen Rollen auf Zwang und Gewalt beruhen, wird Rollenzwang zu einer invarianten [unabänderlichen] Gesetzlichkeit sozialen Lebens erklärt.
Leben ohne Zwang wäre dann allenfalls außerhalb der Gesellschaft denkbar; die Idee von zwangsfreien Sozialbeziehungen ist per definitionem sinnlos. Dahrendorfs „überradikale Gesellschaftskritik“ richtet sich also gegen das Phänomen Gesellschaft überhaupt und schüttet damit gleichsam das Kind mit dem Bade aus.
(Reinhard Kreckel, Soziologisches Denken, Leske + Budrich, Opladen 1975, S. 166)

M2 Die Prämisse kann nicht stimmen
Dahrendorf macht durchgängig die Unterstellung, der nicht-vergesellschaftete Mensch sei frei; er verliere mit der Prägung durch die Gesellschaft seine Freiheit. Dieser Prämisse […] gilt es nachzugehen. Wenn man sie in eine prüfbare Hypothese umwandeln würde, kann sich fast nur ergeben, dass der Mensch als Säugling besonders frei sei, als Erwachsener aber unfrei. Dabei wird sofort deutlich, dass die Prämisse nicht stimmen kann – ein abhängigeres Wesen als einen Säugling gibt es kaum. Was Dahrendorf als Freiheit bezeichnet, ist wohl eher Leere und Bedürftigkeit. […] Dahrendorf sieht den Prozess der Sozialisation zwar als Bereicherung, die aber letztlich einen fragwürdigen Charakter hat, weil sie die Bereicherung um gesellschaftliche Zwänge darstellt.
(Friedbert Mühlhoff/Sibylle Reinhardt, Stundenblätter Rollentheorie, Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1983, S. 77)

M3 Artikel 2, Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:
„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte ande-rer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Aufgaben:

Diskutieren Sie unter Bezugnahme zu den Materialien M1-M3 und den Rollentheorien von Dahrendorf und Mead die folgende These: Rollenhandeln ist stets mit der Unterdrückung der individuellen Persönlichkeit verbunden.

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License